Zusammenarbeit zwischen Novell und Microsoft
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Wie lautet die Ankündigung?
Novell und Microsoft wollen gemeinsam die Kluft zwischen Open Source-Software und proprietärer Software schließen. Es wurden drei Vereinbarungen getroffen, die die Interoperabilität zwischen Linux und Windows enorm steigern und Kunden eine höhere Flexibilität in ihren IT-Umgebungen ermöglichen sollen. Die Kooperationsvereinbarung zur Technik regelt die Zusammenarbeit von Novell und Microsoft in den folgenden drei Bereichen, die neue Lösungen für Kunden bedeuten: Virtualisierung, Verwaltung von Web Services und Kompatibilität von Dokumenten. Die Kooperationsvereinbarung zu Patenten regelt die Patentangelegenheiten der Kunden beider Unternehmen, was eine große Entlastung für Kunden darstellt. Die Kooperationsvereinbarung zur Vermarktung sichert die gemeinsame Nutzung von Marketing- und Vertriebsressourcen für das Voranbringen gemeinsamer Lösungen.
F: Was bedeutet das für Linux?
Novell und Microsoft sind sich bewusst, dass viele Kunden verschiedene Plattformen wie Linux und Windows einsetzen und dies auch zukünftig fortführen werden. Die Kunden fordern äußerst zuverlässige, sichere und interoperable Lösungen. Die Möglichkeit einer einfachen und leistungsstarken Virtualisierung von Linux auf Windows und umgekehrt ist ein großer Schritt nach vorn. Novell wird Linux weiterhin als die hochwertige Plattform für Kerninfrastruktur und Anwendungsservices fördern. Durch erstklassige Entwicklungsprojekte kann Novell ebenfalls sein Engagement gegenüber der Community stärken und die Integration von Linux in den Markt begünstigen. Novell ist sich des bedeutenden Beitrags, den Open Source-Entwickler für Linux leisten, und deren Vertrauen in die General Public License (GPL) bewusst. Die Patentvereinbarung, die von Novell und Microsoft unterzeichnet wurde, basiert auf den Prinzipien und Verpflichtungen der GPL. SUSE Linux Enterprise-Kunden können sich bei der Nutzung von SUSE Linux Enterprise auf Patentschutz von Microsoft verlassen, wodurch die Integration von Linux im Markt weiter vorwärts gebracht wird.
F: Befinden sich Novell und Microsoft weiterhin im Wettbewerb?
Durch die Verträge soll eine Brücke zwischen Geschäfts- und Entwicklungsmodellen geschlagen werden. Der Wettbewerb auf dem Markt wird davon nicht betroffen sein. Wir werden auch zukünftig den Wettbewerb in verschiedenen Bereichen aufrechterhalten. Dazu zählen Desktop, Identitäts- und Sicherheitsverwaltung sowie System- und Ressourcen-Management. Windows und SUSE Linux Enterprise werden Konkurrenzprodukte bleiben. Die Vereinbarung macht es jedoch den Kunden leichter, sowohl Linux als auch Windows einzusetzen. Diese Form der Partnerschaft ist in großen Unternehmen durchaus üblich. Wir arbeiten miteinander und konkurrieren auf verschiedenen Gebieten gleichzeitig.
F: Ist dies eine Reaktion auf aktuelle Ereignisse, wie Oracles Ankündigung bezüglich Red Hat?
Nein. Die Verhandlungen über diese Vereinbarung liefen schon seit mehreren Monaten. Die Vereinbarung spiegelt eine Einschätzung von Novell und Microsoft wider, nach der Kunden aus der effektiven Interoperabilität von Linux und Windows den größten Nutzen ziehen können. Was den möglichen Schritt von Oracle anbelangt, Support für SUSE Linux anzubieten, ist Novell davon überzeugt, dass Kunden mit heterogenen Netzwerken einen unabhängigen Betriebssystemanbieter mit umfangreichen Hardware- und Softwaresupport wie Novell nutzen sollten.
F: Welche finanziellen Vorteile ergeben sich für Novell und Microsoft?
Novell erhofft sich eine erhöhte Nachfrage nach SUSE Linux Enterprise, aber dazu gibt es noch keine genauen Zahlen. Durch die verbesserte Interoperabilität und den Patentschutz, die sich aus der Vereinbarung ergeben, erhoffen sich Novell und Microsoft größere Geschäftschancen durch klassenbeste Produktlösungen sowie eine Abhebung gegenüber anderen Marktteilnehmern.
F: Was sind die Einzelheiten der Vereinbarung?
Die finanziellen Aspekte werden, wie bei vielen derartigen Transaktionen, zu diesem Zeitpunkt noch nicht offengelegt.
Im Rahmen der technischen Zusammenarbeit werden beide Unternehmen eine Forschungseinrichtung aufbauen, in der die Entwicklung neuer Softwarelösungen für Virtualisierung, Verwaltung und Kompatibilität von Dokumentformaten im Mittelpunkt steht. Dabei handelt es sich um potenziell starke Märkte — laut IDC wird der Marktwert für Virtualisierungssoftware im Jahr 2010 1,8 Milliarden US-Dollar betragen und für Systemverwaltungssoftware 10,2 Milliarden US-Dollar — und die Unternehmen sind davon überzeugt, dass die Investition in Interoperabilität die entsprechenden Produkte noch attraktiver für Kunden werden lässt.
Im Rahmen der geschäftlichen Zusammenarbeit werden beide Unternehmen verschiedene Marketingpraktiken gemeinsam angehen. Außerdem wird Microsoft von Novell ca. 70.000 Coupons für ein Jahr Wartung und Support für SUSE Linux Enterprise Server als Teil einer Wiederverkaufsabmachung ausgeben. Damit können Kunden von neuen Softwarelösungen, die durch die gemeinsamen Forschungsaktivitäten entwickelt wurden, und gleichzeitig von einer Linux-Version profitieren, die durch die IP-Rechte von Microsoft abgedeckt ist.
Im Rahmen der Patentvereinbarung werden beide Unternehmen im Voraus Zahlungen tätigen, die die jeweils andere Seite von der Haftbarkeit bei Verwendung patentierten geistigen Eigentums befreit. Die Zahlungen von Microsoft an Novell reflektieren den entsprechend größeren Verkaufsanteil der Microsoft-Produkte. Novell wird zudem fortdauernde Lizenzgebühren bezahlen, deren Höhe auf dem Umsatz für Open Source-Produkte basiert.
F: Bedeutet das, dass Microsoft Linux verkaufen wird?
Nein. Microsoft und Novell möchten jedoch sicherstellen, dass den gemeinsamen Kunden die Möglichkeit gegeben wird, von der verbesserten Interoperabilität und dem Patentschutz zu profitieren. Microsoft fördert diese neuen Lösungen durch den Erwerb von Coupons über Novell, die den Inhaber zu einem 1-Jahres-Abonnement für Maintenance und Updates für SUSE Linux Enterprise Server berechtigen. Diese Coupons werden allen gemeinsamen Kunden von Novell und Microsoft zur Verfügung stehen, die eine virtualisierte Windows-Version auf SUSE Linux Enterprise Server oder eine virtualisierte SUSE Linux Enterprise Server Version auf Windows einsetzen möchten.
Microsoft wird Kunden, die in Windows investiert haben und Linux in ihre Infrastruktur integrieren möchten, SUSE Linux Enterprise für Windows-Linux-Lösungen anbieten.
Q: Was bedeutet das für die Kunden?
Für Kunden nimmt die Flexibilität in Rechenzentren einen immer wichtigeren Stellenwert ein. CTOs müssen mit geringeren Mitteln mehr erreichen und die Auslastung erhöhen. Virtualisierung ist dabei genau der richtige Ansatzpunkt. Novell und Microsoft haben erkannt, dass im Rechenzentrum der Zukunft sowohl Linux als auch Windows als Plattformen zum Einsatz kommen werden. Das Hauptziel der Zusammenarbeit ist die einwandfreie Interoperabilität beider Plattformen und die Bereitstellung des Supports, den Kunden verlangen. Durch die Zusammenarbeit von Novell und Microsoft haben Kunden die Möglichkeit, genau das Betriebssystem auszuwählen, das ihren Anwendungs- und Geschäftsanforderungen entspricht.
F: Warum ist die Patentvereinbarung so wichtig?
Die Patentvereinbarung zeigt, dass Microsoft willens ist, seinen Patentschutz auf Open Source-Kunden auszuweiten. Dies stellt eine wichtige Grundlage für die Zusammenführung von propritärer und Open Source-Software dar.
Einer der größten Unterschiede zwischen Open Source- und Closed Source-Software ist die Handhabung von geistigem Eigentum. Da Open Source-Software gemeinschaftlich entwickelt wird, kam es zu Befürchtungen, dass der Schutz des geistigen Eigentums in Open Source leichter gefährdet sein könnte. Dank der heutigen Vereinbarung zwischen Novell und Microsoft müssen sich Kunden nicht mehr um Verletzungen geistigen Eigentums sorgen. Das beiderseitige Einverständnis, die Patentrechte gegenüber den Kunden des jeweils anderen Unternehmens nicht geltend zu machen, garantiert Kunden Seelenfrieden beim Einsatz ihrer Lösungen. Novell und Microsoft sind überzeugt, dass diese Vereinbarung den Kunden die größtmögliche Interoperabilität bietet und ihnen das Gefühl vermittelt, das beide Unternehmen hinter den Lösungen stehen.
F: Die Pressemitteilung macht deutlich, dass Microsoft außerdem verspricht, seine Patente nicht gegen individuelle, gemeinnützige Open Source-Entwickler geltend zu machen. Was bedeutet das für Novell?
Microsoft und Novell war es wichtig, einen Präzedenzfall für individuelle und gemeinnützige Open Source-Entwickler zu schaffen, in dem potenzielle Patentstreitigkeiten angesprochen werden. Microsoft ist sehr daran interessiert, aktiv an der Open Source-Community teilzunehmen, und Novell wird diese Entwicklung weiter unterstützen. Aus diesem Grund erachten Microsoft und Novell das Versprechen für wichtig, dass Microsoft seine Patentrechte nicht gegen die gemeinnützige Community geltend macht.
F: Wie funktioniert die technische Zusammenarbeit?
Beide Unternehmen werden gemeinsam eine Forschungseinrichtung aufbauen, in der die technischen Experten von Microsoft und Novell neue Softwarelösungen konzipieren und testen und mit den Kunden und der Community zusammenarbeiten werden, um diese Technologien entwickeln und unterstützen zu können. Die Vereinbarung zwischen Novell und Microsoft konzentriert sich auf drei technische Bereiche, die im Markt Vorteile und Vielfältigkeit bieten:
Virtualisierung. Virtualisierung ist einer der wichtigsten Trends der Branche. Kunden erklären uns, das Virtualisierung eine Möglichkeit ist, schnell wachsende Server-Arbeitslasten und deren zahlreiche Serveranwendungen zu konsolidieren und leichter zu verwalten. Microsoft und Novell werden gemeinsam an der Entwicklung des überzeugendsten Virtualisierungsangebots für den Markt arbeiten.
Web Services für die Verwaltung physischer und virtueller Server. Web Services und Service-orientierte Architekturen werden auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen bei der Bereitstellung größerer Funktionalität durch die Softwareunternehmen an die Kunden. Microsoft und Novell werden daran arbeiten, Kunden die Verwaltung verschiedener Windows- und SUSE Linux Enterprise-Umgebungen sowie die Verbindung von Microsoft Active Directory mit Novell eDirectory zu erleichtern.
Kompatibilität von Dokumentformaten. Microsoft und Novell haben sich schon länger auf die Verbesserung der Interoperabilität zwischen Büroanwendungen konzentriert. Beide Unternehmen werden jetzt gemeinsam an Lösungen für den Dokumentenaustausch für Benutzer von OpenOffice und Microsoft Office arbeiten und Translators zur Verfügung stellen, um die Interoperabilität zwischen Open XML und OpenDocument Formats zu verbessern.
F: Welche Aspekte beinhaltet die Kooperationsvereinbarung zur Vermarktung?
Die Kooperationsvereinbarung zur Vermarktung ist vor allem auf die Optimierung der Patentvereinbarung und der technischen Zusammenarbeit ausgelegt. Dazu zählen Marketing, Schulungen, Support und Vertriebsressourcen.
F: Untergräbt Novell nicht sein Mono-Projekt, wenn die Virtualisierung von Windows auf Linux erleichtert wird, da es ähnlich funktioniert?
Mono gibt den Entwicklern die Möglichkeit, Anwendungen für Linux und andere Plattformen unter Verwendung von Microsoft .NET-Technologien einzusetzen. Im Mittelpunkt steht dabei der Linux-Desktop, mit dem Mono effektiv für eine Reihe von Services wie Suche, Musikwiedergabe u.v.m. eingesetzt werden kann. Virtualisierung hingegen optimiert die Ausnutzung von Server-Hardware durch den Einsatz verschiedener Betriebssysteme. Sie wird vor allem für die Server-Konsolidierung, Workload-Balancing und andere Unternehmensanforderungen genutzt. Beide Ansätze sind also auf die Flexibilität der IT-Systeme ausgerichtet, haben aber unterschiedliche Herangehensweisen.
Q: Welche Vorteile bietet die Patentvereinbarung in Bezug auf Mono und OpenOffice?
Im Rahmen der Patentvereinbarung erhalten Kunden Support für Mono, Samba und OpenOffice sowie für .NET und Windows Server. In den nächsten fünf Jahren der Vereinbarung werden wir an der Verbesserung all dieser Technologien arbeiten, doch es wird Support-Einschränkungen für zukünftige Technologien geben. Die Rahmenbedingungen geben uns die Möglichkeit, komplexe Themen anzusprechen, in denen geistiges Eigentum und Innovation eine wichtige Rolle spielen.